Warum dieser Artikel
Eine DESIGN.md ist kein Projekt das man einmal abschließt. Was du hier liest, ist das Ergebnis eines Arbeitstages an werkform.at — meiner eigenen Website. Das Ziel war, ein Referenzdokument zu erstellen das einer KI erklärt wie die Site aussehen soll, damit zukünftige Arbeit konsistenter wird. Das Ergebnis ist eine DESIGN.md die echte, verwendbare Designinformationen enthält. Als Draufgabe bekam eine Liste von Inkonsistenzen und offenen Punkten die noch nicht gelöst sind. Das ist kein Fehler. Das ist der Normalzustand.
Das Problem: Inkonsistentes Design entsteht schleichend
Jede Website die über mehr als ein Jahr gewachsen ist, hat dasselbe Problem: Farben die fast gleich sind aber nicht ganz. Abstände die ähnlich wirken aber nicht gleich sind. Schriftgrößen die irgendwann aus dem Gefühl heraus gesetzt wurden statt aus einem System.
Bei werkform.at war (ist) das nicht anders. Nach der Neueinspielung von der Produktions- auf die Staging-Umgebung war der richtige Moment um einen Blick auf den Ist-Zustand zu werfen. Was ich dabei entdeckt habe war lehrreich, und typisch.
Zwei Grautöne mit zu ähnlichen Namen für zu verschiedene Rollen. Spacing-Tokens die sich im Anwendungsbereich überlappen ohne klare Semantik. Vier Legacy-Container mitten in einer ansonsten modernen v4-Architektur. Eine Farbe in einer Global Class die nirgendwo im Farbsystem dokumentiert ist.
Nichts davon ist ein dramatischer Fehler. Zusammen ergeben sie aber ein System das schwer zu warten ist, weil keine Regel sagt welcher Wert der richtige ist.
Was eine DESIGN.md löst — und was nicht
Eine DESIGN.md ist ein Dokument das dein Designsystem beschreibt. Der entscheidende Unterschied zu einem Screenshot oder einer Figma-Datei: Die DESIGN.md überlebt Sessions. Sie liegt ev. im Repo, wird versioniert, und kann beim nächsten Gespräch mit der KI als erstes eingelesen werden. Damit weiß die KI immer was primary bedeutet, welche Schrift du verwendest, und was dein Borderradius ist.
Was sie nicht löst: bestehende Inkonsistenzen. Die DESIGN.md beschreibt was sein soll, nicht was ist. Wenn deine Website inkonsistent gebaut wurde, bildet das Dokument entweder den Ist-Zustand ab (und dokumentiert damit die Fehler) oder den Soll-Zustand (und ignoriert die Realität). Beides ist nützlich, aber nur wenn du weißt welches Dokument du gerade hast.
Die werkform DESIGN.md die aus diesem Prozess entstanden ist, ist ein Zwischenschritt. Sie dokumentiert den aktuellen Ist-Zustand inklusive der bekannten Inkonsistenzen. Das macht sie ehrlicher und nützlicher als ein idealisiertes Dokument, es bedeutet aber auch dass die Arbeit noch nicht abgeschlossen ist.

